Satellitentracking mit Freewareprogrammen

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Einführung

Wer nächtens seinen Blick nach dem Firmament richtet, der wird häufig leuchtende Objekte darüber hinweg ziehen sehen. Viele dieser Erscheinungen werden Flugzeuge sein, die in der Regel leicht als solche zu erkennen sind: Sie haben bei näherem Hinsehen eine räumliche Ausdehnung, blinken, sondern (wenn sie nicht zu hoch fliegen) Lärm ab, sie ziehen Kondensstreifen hinter sich her oder ändern ab und an ihren Kurs.
Auf der anderen Seite sieht man, besonders um die Zeit nach Ende der Abend- und vor Einsetzen der Morgendämmerung, immer wieder mehr oder minder helle, sternähnliche Objekte, die still und stetig [1], mit sich meist langsamer ändernder, manchmal aber auch rasch wechselnder Helligkeit den Himmel überqueren: Das sind praktisch immer künstliche Erdsatelliten, die sich, noch von der Sonne beschienen, gegen den schwarzen Himmelshintergrund abheben. Satelliten sind relativ kleine Körper, die allermeisten sind ohne optische Hilfsmittel nicht zu sehen oder sie bewegen sich an der Grenze der Wahrnehmbarkeit. Die größeren unter ihnen vermögen aber so viel Sonnenlicht zu reflektieren, daß man sie noch aus Entfernungen von hunderten, oft auch tausenden von Kilometern deutlich erkennen kann. Andererseits kann manch einer, der sich kaum gegen den Himmel abhebt mitunter fast schlagartig so hell aufleuchten, daß Gegenstände in diesem Licht Schatten werfen, wobei man bei der ersten Sichtung solcher Art schon fast erschrecken mag. Einige Satelliten jagen mit geradezu abenteuerlicher Geschwindigkeit über den Himmel, während andere sich auch von einer Minute zur nächsten kaum von der Stelle zu rühren scheinen. Satelliten können in unterschiedlichen Farben leuchten und nicht jeder Erdtrabant zieht seine Bahn alleine. So gibt es solche, die stets in Dreierformation zu sehen sind und nicht selten als Raumschiffe aus fremden Welten mißgedeutet werden [2].


Mir über Mainz, November 1999


Die russische Raumstation Mir über Mainz, aufgenommen in der Neustadt am Morgen des 01. November 1999. Blick nach SW. Belichtet von 06:19:38 bis 06:20:28 MEZ., 50 Sekunden auf Kodachrome 200, Objektiv 24 mm 1:2 bei f/2 (Bild anklicken für eine größere Version).
Die Aufnahme erweckt den Eindruck, als würde sich die Mir von links nach rechts bewegen. Tatsächlich war es umgekehrt: Die Verjüngung der Spur nach links rührt vom sukzessiven Eintauchen der Station in den Erdschatten. Ihr unvermitteltes Auftauchen rechts erklärt sich einfach mit dem Beginn der Belichtung. Wegen seiner rasche Bewegung verteilte sich das Licht des Satelliten über eine weite Strecke, wohingegen sich das der Sterne während der Belichtung in einem engen Areal konzentrieren konnte. Die Helligkeit der Mir relativ zu den Sternen war daher deutlich größer, als es auf dieser Aufnahme erscheint. Die Mir trat am 23. März 2001 in die Erdatmosphäre ein und wurde zerstört.
Links unten im Bild das Sternbild Canis major mit seinem Hauptstern Sirius. Etwas rechts der Mitte Orion, darunter Sterne des Lepus. Oberer Bildrand links Canis minor mit Prokyon, oberer Bildrand Mitte die Gemini mit gamma Geminorum. Rechts der Taurus mit Aldebaran.
Photo: Christian F. Ackermann

Wenn man sich der Sichtbarkeit künstlicher Erdsatelliten einmal bewußt ist, dann wird man vielleicht neugierig und möchte genauer wissen, was man da eigentlich sieht. Handelt es sich um einen militärischen oder einen zivilen Satelliten, einen amerikanischen, russischen, sowjetischen oder europäischen, um einen Wetter-, Spionage-, Nachrichten-, Forschungs- oder Erderkundungssatelliten, um ein bemanntes Raumschiff, eine leergebrannte Raketenstufe oder ein Trümmerstück einer solchen, umkreist der Satellit die Erde erst seit kurzem oder vielleicht schon seit Jahrzehnten? Solche Fragen lassen sich mit einem PC, einem Internetzugang und etwas Software leicht beantworten. Die Kunst, das Erscheinen von Satelliten am Himmel vorherzusagen, sie dann auch tatsächlich aufzufinden und zu verfolgen trägt den possierlichen Namen "visuelles Satellitentracking" [3]. Es ist ein Hobby, das anderen Menschen mitunter schwer verständlich zu machen ist. Wer also Lust darauf hat, abends mit dem Fernglas am geöffneten Fenster zu stehen und von den Nachbarn für einen Spanner gehalten zu werden, der ist hier gut aufgehoben.
Der Anspruch dieser Seiten ist, jeden, der keinen Schimmer von Satelliten hat, sanft ins Thema "Satellitentracking" einzuführen. Einen Satelliten gezielt aufzuspüren setzt übrigens nicht zwangsläufig voraus, daß man sich am Sternenhimmel nach allen Regeln der Kunst auskennen muß: Denn es gibt mehr als 100 Satelliten, die regelmäßig mit bloßem Auge sichtbar sind. Für diese besonders hellen Objekte genügt es schon, wenn man etwa weiß in welche Richtung man zu welcher Zeit zu schauen hat. Selbst wer noch nicht einmal das Sternbild des "Großen Wagen" kennt, sollte doch zumindest in der Lage sein, die Internationale Raumstation ISS bei einem Überflug zu identifizieren. Langfristig wird man aber mehr Spaß an der Sache haben, wenn es einem gelingt, auch schwächere Objekte mit einem Fernglas aufzufinden. Dafür sind allerdings etwas ausgeprägtere Kenntnisse des Sternenhimmels nötig. Wie man sich am Himmel zurechtfinden kann, behandle ich auf diesen Seiten daher ebenfalls.

Wer das hier lesen kann, erfüllt vermutlich bereits zwei Kriterien fürs Satellitentracking, denn er hat zumindest zeitweise Zugang zum Internet und einen PC. Viel Rechenleistung wird dem nicht abverlangt, ein mittlerer 586er sollte ausreichen. Wesentlicher als die Prozessorleistung ist die Graphik: 1.024 x 768 Pixel x 256 Farben sind empfehlenswert, was vernünftigerweise einen 17" Röhren- oder 15" TFT-Monitor voraussetzt. Mit 800 x 600 Pixel kann man es sicherlich auch versuchen, es ist dann aber nicht ganz so bequem.
Alle Software die man benötigt existiert als Freeware, die man sich via Internet herunterladen kann.

Wer sich nur mal auf die Schnelle ein paar Satelliten anschauen möchte, der sei auf zwei online-Dienste verwiesen, zum einen Heavens Above und zum anderen j-track und j-pass der NASA.



[1] Allerdings berichten viele Leute davon, daß ihnen die Bewegung von Satelliten nicht ganz geradlinig erscheint. Sie haben stattdessen den Eindruck als würden diese leicht hin- und her"eiern", ein Phänomen, das ich bei meinen ersten Satellitenbeobachtungen ebenfalls beobachten konnte, das sich aber rasch verlor.
[2] Überhaupt scheint mir vieles, was höchst irdischer Natur ist, oft fremden Sphären zugeordnet zu werden und in mir hat sich nach bald drei Jahrzehnten Himmelsbeobachtungen der Eindruck gefestigt, daß sich der Erfolg von Menschen im Aufspüren außerirdischer UFOs umgekehrt proportional zur ihrer Erfahrung in der Beobachtung des nächtlichen Sternenhimmels verhält. Noch alles was mir vor die Augen kam, konnte ich jedenfalls mit vertrauten Dingen verbinden, auch wenn bis zu diesem Erfolg in einigen Fällen Jahre vergingen.
[3] Im strengeren Sinne geht es beim Satellitentracking aber nicht nur darum, bekannte Satelliten anhand verfügbarer Daten zu identifizieren, sondern umgekehrt darum, die Bahnen insbesondere "unbekannter" Satelliten (solcher, für die keine Bahndaten veröffentlicht werden, da sie der Geheimhaltung unterliegen) mittels eigener und der Beobachtungen anderer zu bestimmen und selbst entsprechende Daten verfügbar zu machen. Wer sich damit auf den Olymp des Satellitentrackings begeben möchte, dem sei http://www.satobs.org/satintro.html zur Lektüre dringend empfohlen.


Und jetzt zu Download und Installation der benötigten Daten und Programme...

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Letzte Aktualisierung: 13.05.2005   Kontakt