Praktische Durchführung von Satellitenbeobachtungen

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Für die konkrete Arbeit bei Nacht benötigt man nur ein aktives Programm, Home Planet, mit drei geöffneten Fenstern:

Außerdem braucht man noch etwas Platz auf dem Monitor, damit man die vorausberechneten Quicksat-Passagevorhersagen in Windows-Notepad öffnen kann.
Optional kann man in eine Bildecke die Windows-Uhr plazieren (zu finden nur unter Windows NT unter: Start - Programme - Zubehör - Uhr; die NT-Uhr läuft auch unter Windows 2000. Hat man die nicht, dann sollte man sich irgendeine Freeware-Uhr besorgen, die die Zeit auch in UTC anzeigen kann. Die NT-Uhr bietet die Option, die Zeit in UTC (bei Windows: "GMT") anzuzeigen.

Die folgende Abbildung zeigt die Anordnung dieser Elemente bei einer Bildschirmauflösung von 1.280 x 960 Pixel (die Windows-Uhr lief hier nach MEZ):

Arbeitsbildschirm 1280 x 1024

Bei geringeren Bildschirmauflösungen wird der Platz für die unterschiedlichen Elemente knapper, wie hier anhand eines 1.024 x 768 Pixel screen shot gezeigt ist. Bei einer Auflösung von 800 x 600 Pixel hat man die Wahl, entweder das "Sky"-Fenster kleiner zu ziehen, oder aber man verzichtet darauf, die verschiedenen Fenster nebeneinander anzuordnen. Das ist natürlich weniger komfortabel, da man nur mit "Alt - Tab" ständig zwischen den Fenster hin- und herwechseln muß.

Jetzt kann man die Quicksat-Passagezeitliste im Laufe der Nacht von oben nach unten abscrollen. Einige Minuten vor dem Herannahen eines Satelliten wählt man ihn aus der Liste im "Track Satellite"-Fenster aus.
Ideal wäre, wenn Home Planet den Bewegungsverlauf des herannahenden Satelliten in der Himmelsansicht als Linie vorzeichnen könnte, damit man sich vorab über seinen Weg informieren kann - kann das Programm leider nicht, kein Grund zum Mosern, schließlich ist es umsonst. Als Alternative bietet sich an, im Menü "Animate" den Unterpunkt "Animate" zu aktivieren:

HP Animation Window

der ausgewählte Satellit beginnt sich daraufhin in Zeitraffer zu bewegen, wobei die Geschwindigkeit im Unterpunkt "Speed" zwischen "Fast", "Medium" und "Slow" variiert werden kann. Steht der Satellit zur gewählten Zeit am Himmel, so kann man seine Bewegung auch im HP "Sky"-Fenster verfolgen.
In der Zeitrafferdarstellung sollte man jetzt darauf achten, ob der Satellit im "Sky"-Fenster nahe an einem helleren Stern vorbeizieht. Wenn ja, dann kann man diesen Stern als leicht identifizierbaren Rendezvouspunkt wählen, und den Vogel dort zur gegebenen Zeit abschießen. Wichtig ist natürlich, daß der Satellit am Treffpunkt von der Sonne beschienen ist: ein kurzer Blick auf die Anzeige "Eclipsed" im "Track Satellite" Fenster gibt darüber Auskunft.
Um von der Zeitrafferdarstellung wieder in den Echtzeit-Modus zu kommen wählt man im Menüpunkt "Animate" erneut den Unterpunkt "Animate". Der Satellit springt dann wieder auf seine aktuelle (Echtzeit-) Position zurück.

Eine Zeitrafferdarstellung kann jederzeit gestoppt werden: "Animate" - "Stop". Geht man dann erneut zu "Animate", so erkennt man, daß an Stelle des "Stop" jetzt "Run" steht - wählt man letzteres, so setzt sich die Animation fort.
Anzumerken wäre noch, daß man eine Zeitrafferanimation auch rückwärts durchführen kann: "Animate" - "Direction" - "Backward".

Führt man diese Schritte mit entsprechender Vorlaufzeit durch, dann hat man bequem Zeit, den "Treffpunktstern" in Ruhe am Himmel zu suchen und anschließend die Bewegung des Satelliten auf dem Monitor zu verfolgen, bis er in die Nähe des Rendezvouspunkts kommt. Dann ist es Zeit, seinen Blick gegen den Himmel zu richten.

Ich selbst habe meine Beobachtungen mit den wenigen Satelliten aus der visible.tle begonnen, wechselte aber bald zur größeren mccants.tle. Die Mehrheit ihrer etwa 1.750 Satelliten läßt sich freilich nur mit optischen Hilfsmitteln sichten. Ich verwende dazu ein Olympus 7x50-Fernglas. Und in der Zwischenzeit bin ich dazu übergegangen, mir mit dem Windows Element Manager meine eigene TLE-Datei aus verschiedenen Einzeldateien zusammenzustellen (mit etwa 4.000 Satelliten, von denen viele nur unter sehr speziellen Bedingungen mit viel Glück sichtbar sind, irgendwie macht das aber auch den Reiz der Sache aus). Wen es interessiert, hier ist eine Liste aller Satelliten, die ich bis zum 23.05.2001 beobachten konnte: manche liefen mir nur ein einziges Mal über den Weg, andere konnte ich schon sehr oft beobachten.


Ein kleines Beobachtungshighlight über das ich mich sehr gefreut habe: Am 11.02.2000 um 19:05 Uhr MEZ konnte ich den Orbiter "Endeavour" auf seiner Mission STS-99 21 Minuten nach seinem Start von Cape Canaveral aus im Nordwesten beobachten. Um das Besondere dieser Sichtung zu verstehen, muß man wissen, daß sich ein Shuttle 8 Minuten nach dem Start von seinem Außentank (ET) trennt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Orbitalgeschwindigkeit noch nicht ganz erreicht. Während sich der Orbiter mit seinem eigenen Orbitalen Manöveriersystem (OMS) dann den letzten Geschwindigkeitskick gibt, tritt der ET wegen der fehlenden Geschwindigkeit nach etwa 3/4 Erdumkreisungen über dem Pazifik wieder in die Atmosphäre ein und verglüht.
Zu sehen waren also beide Objekte, wie sie in Formation mit einem gegenseitigen Abstand von ca. 2° über den Himmel zogen. Der Orbiter selbst erschien leuchtend weiß, der Außentank tief rot (was der Farbe seines Schutzanstriches entspricht).
Diese Beobachtung war eine Rarität, denn Shuttles starten selten und sie bewegen sich nicht immer auf Bahnen, deren Inklination eine Sichtung von Deutschland aus möglich macht. Wegen ihrer geringen Flughöhe kann man sie direkt nach dem Start nur dann beobachte, wenn die Sonne flach unter dem Horizont steht. Daß sowohl die Bahnneigung groß genug (57°), als auch die Sonne noch nicht zu tief unter den Horizont gesunken war, waren Bedingungen, die selten genug eintreten. Daß dann auch noch das Wetter mitspielte, war ein seltener Umstand. Meine hier einmal geäußerte Vermutung dies konnte u.U. die erste Sichtungsmöglichkeit für einen frisch gestarteten Shuttle von Deutschland aus gewesen sein wurde inzwischen von Sebastian Stabroth aus Braunschweig korrigiert, der die Flüge STS-63 und 66 direkt nach dem Start beobachten konnte.
Am 19.04.2001 überflog die kurz zuvor gestartete Endeavour Deutschland in der Abenddämmerung. Bald darauf rief meine Freundin mich an: Ätsch, sie hatte Orbiter und ET von Heidelberg aus durch eine Wolkenlücke hindurch für einen kurzen Augenblick beobachten können - bei mir in Mainz war der Himmel ein paar Minuten vor der Passage vollkommen zugezogen.

Wegen der Aufbauarbeiten der Internationalen Raumstation ISS (Bahnneigung etwa 51°) werden sich, sobald die verbliebene Shuttle-Flotte Mitte 2005 ihren Betrieb wieder aufnimmt, in den nächsten Jahren vielleicht weitere Gelegenheit für solche Sichtungen bieten. Sehr viele Flüge werden allerdings nicht mehr stattfinden: Da sich die Shuttles in puncto Sicherheit wie auch Wirtschaftlichkeit als unzulänglich erwiesen haben, werden nur noch etwa 28 Flüge stattfinden, die allerding allesamt die ISS zum Ziel haben dürften und mithin Deutschland überfliegen werden.


Schon in den 70er und 80er-Jahren konnte ich viele Satelliten beobachten, war aber nicht der Lage sie zu bestimmen (und ahnte nicht, daß mir das eines Tages möglich sein würde) - mit zwei Ausnahmen allerdings: Das waren Skylab 1973 (dessen Passagedaten in der Presse veröffentlicht worden waren) und 1986 die damals noch ganz neue Mir, im Formationsflug mit der Vorgängerstation Salyut 7. In diesem Fall war die Passage nicht in der Presse angekündigt, wohl aber vermeldet worden, daß beide Stationen dicht aufeinander die Erde umkreisen würden. Schließlich war es eine reine Zufallsbeobachtung, daß ich zwei außergewöhnlich helle Satelliten in, soweit ich mich erinnere, etwa 10 - 20° Abstand sah, die der gleichen Umlaufbahn folgten - das konnten nun wirklich nur die beiden sowjetischen Stationen sein.
Auch das Hubble Space Telescope lief mir schon ganz unverhofft über den Weg. Von Deutschland ist es wegen seiner geringen Bahnneigung ja nicht zu sehen, wohl aber von den Kanaren aus. Und dort war ich vor einigen Jahren, als mir ein besonders heller Satellit auffiel und ich sofort Zeit- und Positionsdaten dieser Sichtung notierte. Die nachträgliche Bestimmung ergab dann, daß es sich um Hubble gehandelt hatte.


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Letzte Aktualisierung: 04.01.2005   Kontakt